RAUSHOLEN, WAS DRINSTECKT. NATÜRLICH ÖKOLOGISCH GUT

    Welche Bedeutung haben ökologische Aspekte, wenn ein Unternehmen baut, gar seinen Standort verlagert? Was, wenn Ökologie und Ökonomie im Widerspruch zueinander stehen? Die Antwort kann ganz leicht sein. Ohne philosophische Anstrengungen ganz pragmatisch gegeben werden. Denn bei entsprechender Herangehensweise und interdisziplinärem Knowhow lassen sich die scheinbaren Widersprüche auflösen und in Synergien umkehren. Machbar ist das – alles nur eine Frage von Willen und Wissen bei Bauherr und Planer.

    VOM START WEG DAS ZIEL VOR AUGEN.
    Schon bei Suche und Auswahl des Standorts war eine konzeptionelle Sichtweise der Schlüssel. Ja, der Baugrund des letztlich entschiedenen Grundstücks in Hermaringen war von schlechter  Qualität, aber viel Grundwasser in geringer Tiefe vorhanden. Ein „Manko", das schnell als Chance erkannt wurde. Denn das thermische Potenzial des Grundwassers bietet die Möglichkeit, Energie zu liefern fürs Heizen und fürs Kühlen.

    So entwickelte Architekt Alexander Ostermann als Leiter des Projekts schon in der Phase des Wettbewerbs eine Vision, die sich bis zur Realisierung durchsetzen konnte. Und sein Konzept überzeugte nicht nur den Bauherrn. Es begeisterte auch die Deutsche Energie Agentur (dena), die den Neubau von Hauff für den Energy Efficency Award 2015 nominierte. Ein schönes Zeichen der Bestätigung aus berufenem Mund, dass Konzept, Umsetzung und Resultate auf hohem Niveau spielen.

    IDEEN – MIT ENERGIE GELADEN.
    Galt es bisher als hohe Kunst, Gestalt und Funktion zu vereinen, sehen innovative Planer mittlerweile zwei zusätzliche Aspekte. „Eine umfassende Betrachtung schließt heute sowohl die Technik als auch die Nachhaltigkeit eines Gebäudes mit ein", beschreibt Ostermann seine Überzeugung. Dabei hat im Zeitalter der Erderwärmung und anspruchsvoller Ziele zur CO2-Reduzierung die Technik neben der Verbesserung der Aufenthaltsqualität vor allem Beiträge zur  energetischen Optimierung zu leisten. Bei derart mehrdimensionalen Zielen eines Vorhabens bleiben Konflikte der Disziplinen bei der üblichen Zusammenarbeit mehrerer Planungsbüros nicht aus. Eine Problematik, die Architekt Christoph Nünemann, im Scherr+Klimke Team verantwortlich für nachhaltiges Bauen, als vernachlässigbar betrachtet. Denn in einem Haus, das sich als Generalplaner positioniert, arbeiten Entwurf, Tragwerksplanung und Bauklimatik kollegial und routiniert Hand in Hand. Er selbst vertritt natürlich den Blickwinkel der Nachhaltigkeit, ein Thema, das ihm als zertifiziertem Auditor der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) am Herzen liegt.

    GUT GEMEINTE KONZEPTE? PRÜFSTEIN IST DIE WIRKLICHKEIT.
    Die intelligente Verbindung aller Faktoren gelungener ganzheitlicher Architektur zeigt sich in der Berücksichtigung unterschiedlichster Kriterien in einer harmonischen Gesamtplanung. Mit diesem Ansatz konnte beim neuen Standort der HauffTechnik in Hermaringen hohe ökologische Qualität erreicht werden bei gleichzeitig sehr guter Wirtschaftlichkeit. Dass die dafür erforderlichen Konzepte und technischen Lösungen nicht leicht zu finden waren, liegt auf der Hand. Aber das Vorhandensein einer ausreichenden Menge Grundwasser (69 m³/h, ganzjährig 8°C bis 12°C) gab den Ausschlag dafür, dieses als einzigen externen Energieträger zu nutzen. Für die Kühlung der Produktionsmaschinen und des Bürogebäudes ohne zusätzliche Kühlwassererzeuger/Kühltürme sowie zum anderen über zwei Wärmepumpen für den restlichen Heizwärmebedarf.

    Darüber hinaus wird die Abwärme der Produktionsmaschinen als ständiger Wärmelieferant im Winter in das Heizungsnetz eingespeist. Zusätzliche Wärmeerzeuger wie Heizkessel oder dergleichen sind somit nicht erforderlich. Der gesamte Heizwärmebedarf von ca. 550 kW sowie die Kühlleistung von ca. 350 kW können durch die Grundwassernutzung abgedeckt werden, was komplette Unabhängigkeit von Energieversorgungsunternehmen und deren Energielieferungen bedeutet.

    NEUBAU HAUFF TECHNIK

    Die Einbeziehung natürlicher Ressourcen in die Planung der Werksanlage wurde zum Leitgedanken für das energetische Verhalten des Komplexes. Hauff-Technik bewies Verantwortung für die Umwelt und erzielte gleichzeitig auch betriebswirtschaftlich sparsame Lösungen.
    Ein anspruchsvolles TGA-Konzept bringt seine Leistungsfähigkeit erst durch technisch hochpräzise Realisierung und Einstellung zur Wirkung. Ein Blick in die Anlagen für Kühlung ...
    ... und Grundwasseraufbereitung ohne chemische Zusätze macht das schnell deutlich.
    Intelligenter Technikeinsatz für die erforderlichen Funktionen mit kleinstmöglichem Aufwand: Zentrallüftungsanlage zur Versorgung des Bürogebäudes mit Frischluft und Heiz-/Kühlenergie, die über Deckeneinbau-Kassettengeräte eingetragen wird.